{"id":624,"date":"2013-10-28T15:30:12","date_gmt":"2013-10-28T13:30:12","guid":{"rendered":"http:\/\/zachmann.be\/?p=624"},"modified":"2014-07-30T15:55:46","modified_gmt":"2014-07-30T13:55:46","slug":"28th-october-2013","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/zachmann.be\/?p=624","title":{"rendered":"28th October 2013"},"content":{"rendered":"\r\n<h4><span style=\"color: #808080;\">Die Energiewende braucht einen europ\u00e4ischen Strommarkt &#8211; Bruegel-Forscher Georg Zachmann \u00fcber das Paradox sinkender Stromerzeugungskosten <\/span><\/h4>\r\n<p>by Georg Zachmann on 28th October 2013<\/p>\r\n<p>Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, den gemeinsamen Strommarkt 2014 zu vollenden. Regulierer und Stromnetzbetreiber arbeiten unter Hochdruck an einer Harmonisierung der komplexen technischen Regeln f\u00fcr den Stromaustausch. Und schon 2012 haben in fast zwei Drittel aller Stunden des Jahres deutsche und franz\u00f6sische Kraftwerke denselben Preis f\u00fcr die Produktion einer Megawattstunde Strom erhalten. Das hei\u00dft, immer h\u00e4ufiger werden fossile Kraftwerke mit hohen Produktionskosten ausgeschaltet werden, falls im Nachbarland \u00dcberschuss an billigem Strom vorhanden ist.<\/p>\r\n<p>Allerdings k\u00f6nnte sich dieser Erfolg f\u00fcr die Stromkunden als wertlos erweisen. Vor zwanzig Jahren wurde der Gro\u00dfhandelsmarkt, auf dem grosse Energieversorger sowie Abnehmer handeln, als Herzst\u00fcck des gemeinsamen Strommarktes gesehen. Das war seinerzeit sinnvoll, da konventionelle Kraftwerke die Stromerzeugung in Europa dominierten. Seither hat sich die Energielandschaft jedoch massiv ver\u00e4ndert. Im Jahr 2012 waren 64 Prozent der neugebauten Stromerzeugungskapazit\u00e4ten Wind- oder Solaranlagen. Wenn die Erzeugung in solchen Kraftwerken, die keine Produktionskosten verursacht, den Strombedarf \u00fcbersteigt, sinkt der Preis im Gro\u00dfhandelsmarkt auf null. In Deutschland und den angrenzenden L\u00e4ndern passiert dies immer h\u00e4ufiger. So sank der durchschnittliche Gro\u00dfhandelspreis in Deutschland von 2005 bis 2013 von 4,8 Cent pro Kilowattstunde auf weniger als 3 Cent. Gleichzeitig wuchs der Preis vor Steuern, den Haushaltskonsumenten bezahlen, von 13 Cent auf 25 Cent.<\/p>\r\n<p>Das hei\u00dft, der Anteil der Stromerzeugungskosten am Endpreis f\u00e4llt. Gleichzeitig steigen die Kosten f\u00fcr die F\u00f6rderung Erneuerbarer Energien, den Ausbau der Stromnetze und die Bereitstellung kurzfristiger Ausgleichsenergie. W\u00e4hrend der Gro\u00dfhandelsmarkt f\u00fcr Strom bis 2014 vollst\u00e4ndig europ\u00e4isiert werden soll, bleibt die Verg\u00fctung von Erneuerbaren, Stromnetzen und flexible Kapazit\u00e4ten vorwiegend national organisiert. Zus\u00e4tzlich f\u00fchren mehrere Mitgliedstaaten eine Verg\u00fctung f\u00fcr die Vorhaltung von Kapazit\u00e4ten ein.<\/p>\r\n<p>So etabliert Frankreich gegenw\u00e4rtig ein System, in welchem alle Verbraucher entsprechend Ihrer Stromnutzung Kapazit\u00e4tszertifikate von franz\u00f6sischen Kraftwerken kaufen m\u00fcssen. Gleichzeitig schafft Deutschland mit der \u201estrategischen Reserve\u201c ein System, welches ausgew\u00e4hlte deutsche Kraftwerke au\u00dferhalb des Strommarktes refinanziert. Wenn immer mehr Stromerzeugungskapazit\u00e4ten au\u00dferhalb des Gro\u00dfhandelsmarkts entgolten werden, wird der europ\u00e4ische Gro\u00dfhandelspreis f\u00fcr Strom langsam gegen null konvergieren. Gleichzeitig werden Verbraucher immer h\u00f6here nationale Umlagen f\u00fcr Erneuerbare, Kapazit\u00e4ten, Netzwerke und Flexibilit\u00e4t bezahlen. Dann wird der Anteil der Stromerzeugungskosten am Endpreis irrelevant und die Vollendung des gemeinsamen europ\u00e4ischen Gro\u00dfhandelsmarktes zu einem bedeutungslosen Erfolg.<\/p>\r\n<p>In der jetzigen Situation ist es dringend geboten, dass die europ\u00e4ische Energiepolitik den dramatischen Wandel im Stromsektor nachvollzieht. Im 21. Jahrhundert darf sich ein effizienter europ\u00e4ischer Strommarkt nicht nur auf den schrumpfenden Gro\u00dfhandelsmarkt beschr\u00e4nken. Es muss auch einen gemeinsamen Markt f\u00fcr Erneuerbare, flexible Kapazit\u00e4ten und Reservekapazit\u00e4ten geben. Netzwerkbau und \u2013betrieb ist eine Aufgabe im europ\u00e4ischen \u00f6ffentlichen Interesse und sollten auch entsprechend organisiert und finanziert werden.<\/p>\r\n<p>Ohne die Kostenvorteile eines umfassenden europ\u00e4ischen Strommarktes wird die Energiewende f\u00fcr deutsche Verbraucher deutlich teurer. Und in kleineren europ\u00e4ischen L\u00e4ndern w\u00fcrden die Kosten f\u00fcr ein nationales System mit einem sehr hohen Anteil von Erneuerbaren wahrscheinlich prohibitiv hoch. Da ein rein deutscher Ausstieg aus Kern- und Kohlekraft aufgrund der grenz\u00fcberschreitenden Risiken dieser konventionellen Kraftwerke wenig sinnvoll ist, ist eine politisch tragf\u00e4hige Energiewende ohne einen umfassenden europ\u00e4ischen Strommarkte nicht vorstellbar.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Energiewende braucht einen europ\u00e4ischen Strommarkt &#8211; Bruegel-Forscher Georg Zachmann \u00fcber das Paradox sinkender Stromerzeugungskosten by Georg Zachmann on 28th October 2013 Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, den gemeinsamen Strommarkt 2014 zu vollenden. Regulierer und Stromnetzbetreiber arbeiten unter Hochdruck an einer Harmonisierung der komplexen technischen Regeln f\u00fcr den Stromaustausch. 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