{"id":662,"date":"2013-05-24T14:05:31","date_gmt":"2013-05-24T12:05:31","guid":{"rendered":"http:\/\/zachmann.be\/?p=662"},"modified":"2014-07-31T14:37:49","modified_gmt":"2014-07-31T12:37:49","slug":"24th-may-2013","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/zachmann.be\/?p=662","title":{"rendered":"24th May 2013"},"content":{"rendered":"\r\n<h4><span style=\"color: #808080;\"> Wetten Sie nicht gegen das ETS<\/span><\/h4>\r\n<p>by Georg Zachmann on 24th May 2013<\/p>\r\n<p><em>Fragen und Antworten von Bruegel-Forscher Georg Zachmann zur Krise des Europ\u00e4ischen Emissionshandelssystems<\/em><\/p>\r\n<p>Das 2005 eingef\u00fchrte Europ\u00e4ische Emissionshandelssystem ETS ist die tragende S\u00e4ule der europ\u00e4ischen Klimaschutz-Strategie &#8211; und es ist das gr\u00f6\u00dfte Emissionshandelssystem der Welt. Doch es ist ins Gerede gekommen. Denn nach den H\u00f6chstst\u00e4nden im Mai 2008 ist der Preis f\u00fcr Emissionszertifikate eingebrochen. Industrie, Zivilgesellschaft und Politiker begannen, \u00fcber eine \u201eReparatur\u201c des ETS nachzudenken.<\/p>\r\n<p>Die f\u00fcr das ETS zust\u00e4ndige EU-Kommission schlug schlie\u00dflich das so genannte \u201eBackloading\u201c vor: Sie will die Herausgabe neuer CO2-Rechte um vier bis sieben Jahre verschieben. Dadurch soll das Marktangebot verknappt und der Preis f\u00fcr Verschmutzungsrechte erh\u00f6ht werden. Doch die Reform scheiterte vorl\u00e4ufig im Europaparlament. Seither sind die Preise f\u00fcr ETS-Zertifikate weiter gesunken.<\/p>\r\n<p>Das Scheitern des \u201eBackloading\u201c-Vorschlages sei kein Drama, meint Bruegel-Forscher Georg Zachmann. Trotz der aktuellen Probleme bleibe das ETS ein effektives und effizientes Instrument, um Treibhausgas-Emissionen zu beschr\u00e4nken. Obwohl die Preise nicht stabil waren, ist das System gewachsen. Es deckt heute mehr Industriesektoren und Treibhausgase ab denn je, und es ist robuster und weniger verzerrend geworden.<\/p>\r\n<p>Um das ETS zu stabilisieren, sollte nicht kurzfristig in die Vergabe von Verschmutzungsrechten eingegriffen werden, sondern die langfristige Glaubw\u00fcrdigkeit des Systems erh\u00f6ht werden. Um diese Ziele zu erreichen, sollte die Europ\u00e4ische Investitionsbank Versicherungen verkaufen, die den betroffenen Firmen einen bestimmten ETS-Preis in der Zukunft garantieren. Dies w\u00fcrde das Risiko f\u00fcr klimafreundliche Investitionen senken und das ETS stabilisieren, bis Entscheidungen \u00fcber die langfristigen Klimaziele der EU getroffen werden.<\/p>\r\n<p>Wie das in der Praxis aussehen k\u00f6nnte, erl\u00e4utert Georg Zachmann in f\u00fcnf Fragen und Antworten:<\/p>\r\n<p><strong> Warum ist das \u201eBackloading\u201c keine L\u00f6sung f\u00fcr die aktuellen Probleme? <\/strong><\/p>\r\n<p>Ich sehe das &#8222;Backloading&#8220; als ein Placebo. Wobei die Frage ist, ob das Placebo einen messbaren medizinischen Erfolg hat oder nicht. Man nimmt Emissionsrechte, die man eigentlich jetzt versteigern will, und verschiebt die Auktion um f\u00fcnf Jahre. Das d\u00fcrfte keinen \u00f6konomischen Effekt auf das gesamte System haben. Solange man die M\u00f6glichkeit hat, die zur\u00fcckgehaltenen Emissionsrechte in Zukunft doch noch zu kaufen, sollte sich der Preis dadurch nicht massiv beeinflussen lassen.<\/p>\r\n<p><strong> Ist das ETS ohne die Reform zum Scheitern verurteilt?<\/strong><\/p>\r\n<p>Bis zum Krisenausbruch 2008 hat sich das ETS relativ gut bew\u00e4hrt. Das ETS war in der Lage, zus\u00e4tzliche Emissionsreduktionen anzusto\u00dfen. Das ETS war in der Lage, die Industrieproduktion zu modernisieren. Das ETS hat in unterschiedlichen Sektoren unterschiedlich stark gewirkt. Insgesamt war die Performance ziemlich gut. Jetzt ist der Preis eingebrochen und wir stehen vor der Frage, was zu tun ist. Strukturelle Ma\u00dfnahmen sind wahrscheinlich n\u00f6tig, um die Glaubw\u00fcrdigkeit zu erh\u00f6hen. Aber das ETS als solches kann man nicht als klinisch tot bezeichnen, weil es juristisch gesehen ein in Stein gemei\u00dfeltes System ist &#8211; quasi mit Verfassungsrang. Nur auf Vorschlag der EU Kommission und mit qualifizierter Mehrheit der Mitgliedstaaten kann es abgeschafft werden.<\/p>\r\n<p><strong>Drohen nun nationale Alleing\u00e4nge?<\/strong><\/p>\r\n<p>Wir haben jetzt zugegebenerma\u00dfen die Situation, dass mit Gro\u00dfbritannien ein gro\u00dfer Mitgliedstaat auf dem Weg ist, seinen eigenen CO2-Preis zu etablieren, der \u00fcber dem europ\u00e4ischen CO2-Preis liegen soll. Alle \u00d6konomen weisen darauf hin, dass das &#8211; gelinde gesagt &#8211; Unfug ist. Denn das wird nur dazu f\u00fchren, dass mehr Emissionen in anderen Teilen Europas produziert werden. Die europ\u00e4ischen Zertifikate, die in Gro\u00dfbritannien durch das strengere nationale Ziel \u00fcbrig bleiben, werden nicht verfallen, sondern in den Rest Europas exportiert, wo sie zu zus\u00e4tzlichem CO2-Aussto\u00df genutzt werden. Den Mitgliedstaaten m\u00fcsste sich eigentlich erschlie\u00dfen, dass sie damit eine Politik betreiben, die gegen ihre eigenen nationalen Interessen gerichtet ist.<\/p>\r\n<p><strong>Wie sieht das Bruegel-Modell aus?<\/strong><\/p>\r\n<p>Wir schlagen ein Art Versicherungsmodell vor. Firmen sollen bei der Europ\u00e4ischen Investitionsbank (EIB) Versicherungen kaufen k\u00f6nnen, mit denen ihnen ein bestimmter Preis f\u00fcr Emissionsrechte in der Zukunft garantiert w\u00fcrde. Ein solcher Vertrag w\u00fcrde beispielsweise verbriefen, dass das versicherte Unternehmen im Jahr 2030 das Recht hat, eine bestimmte Menge \u00fcbersch\u00fcssiger Verschmutzungsrechte zu mindestens 40 Euro zu verkaufen. Damit sichern sich Investoren gegen niedrigere Preise ab. Am Anfang macht der Staat oder die EIB beim Verkauf der Versicherung mit der Optionspr\u00e4mie erst Mal einen Gewinn.<\/p>\r\n<p><strong>Wie w\u00fcrden die Zertifikate-Preise festgelegt?<\/strong><\/p>\r\n<p>Das Versicherungsmodell w\u00fcrde keinen fixen Zertifikate-Preis festlegen &#8211; die Aus\u00fcbungspreise k\u00f6nnten beispielsweise gestaffelt werden. Selbstverst\u00e4ndlich w\u00fcrden Investoren f\u00fcr das Recht, ein Zertifikat zu einem Preis von 40 Euro zu verkaufen, heute mehr bezahlen, als f\u00fcr das Recht, zu einem Preis von 10 Euro zu verkaufen. Die Marktakteure legen ihren langfristigen Investitionen Annahmen \u00fcber den k\u00fcnftigen CO2-Preis zugrunde. Es ist nur fair, dass jetzt Geld auf den Tisch gelegt wird, um die Investoren abzusichern, die heute in CO2-Reduktionen investieren.<\/p>\r\n<div style=\"left: -99999px; position: absolute;\">Fragen und Antworten von Bruegel-Forscher Georg Zachmann zur Krise des Europ\u00e4ischen Emissionshandelssystems Das 2005 eingef\u00fchrte Europ\u00e4ische Emissionshandelssystem ETS ist die tragende S\u00e4ule der europ\u00e4ischen Klimaschutz-Strategie &#8211; und es ist das gr\u00f6\u00dfte Emissionshandelssystem der Welt. Doch es ist ins Gerede gekommen. Denn nach den H\u00f6chstst\u00e4nden im Mai 2008 ist der Preis f\u00fcr Emissionszertifikate eingebrochen. Industrie, Zivilgesellschaft und Politiker begannen, \u00fcber eine \u201eReparatur\u201c des ETS nachzudenken. Die f\u00fcr das ETS zust\u00e4ndige EU-Kommission schlug schlie\u00dflich das so genannte \u201eBackloading\u201c vor: Sie will die Herausgabe neuer CO2-Rechte um vier bis sieben Jahre verschieben. Dadurch soll das Marktangebot verknappt und der Preis f\u00fcr Verschmutzungsrechte erh\u00f6ht werden. Doch die Reform scheiterte vorl\u00e4ufig im Europaparlament. Seither sind die Preise f\u00fcr ETS-Zertifikate weiter gesunken. Das Scheitern des \u201eBackloading\u201c-Vorschlages sei kein Drama, meint Bruegel-Forscher Georg Zachmann. Trotz der aktuellen Probleme bleibe das ETS ein effektives und effizientes Instrument, um Treibhausgas-Emissionen zu beschr\u00e4nken. Obwohl die Preise nicht stabil waren, ist das System gewachsen. Es deckt heute mehr Industriesektoren und Treibhausgase ab denn je, und es ist robuster und weniger verzerrend geworden. Um das ETS zu stabilisieren, sollte nicht kurzfristig in die Vergabe von Verschmutzungsrechten eingegriffen werden, sondern die langfristige Glaubw\u00fcrdigkeit des Systems erh\u00f6ht werden. Um diese Ziele zu erreichen, sollte die Europ\u00e4ische Investitionsbank Versicherungen verkaufen, die den betroffenen Firmen einen bestimmten ETS-Preis in der Zukunft garantieren. Dies w\u00fcrde das Risiko f\u00fcr klimafreundliche Investitionen senken und das ETS stabilisieren, bis Entscheidungen \u00fcber die langfristigen Klimaziele der EU getroffen werden. Wie das in der Praxis aussehen k\u00f6nnte, erl\u00e4utert Georg Zachmann in f\u00fcnf Fragen und Antworten: Warum ist das \u201eBackloading\u201c keine L\u00f6sung f\u00fcr die aktuellen Probleme? Ich sehe das &#8222;Backloading&#8220; als ein Placebo. Wobei die Frage ist, ob das Placebo einen messbaren medizinischen Erfolg hat oder nicht. Man nimmt Emissionsrechte, die man eigentlich jetzt versteigern will, und verschiebt die Auktion um f\u00fcnf Jahre. Das d\u00fcrfte keinen \u00f6konomischen Effekt auf das gesamte System haben. Solange man die M\u00f6glichkeit hat, die zur\u00fcckgehaltenen Emissionsrechte in Zukunft doch noch zu kaufen, sollte sich der Preis dadurch nicht massiv beeinflussen lassen. Ist das ETS ohne die Reform zum Scheitern verurteilt? Bis zum Krisenausbruch 2008 hat sich das ETS relativ gut bew\u00e4hrt. Das ETS war in der Lage, zus\u00e4tzliche Emissionsreduktionen anzusto\u00dfen. Das ETS war in der Lage, die Industrieproduktion zu modernisieren. Das ETS hat in unterschiedlichen Sektoren unterschiedlich stark gewirkt. Insgesamt war die Performance ziemlich gut. Jetzt ist der Preis eingebrochen und wir stehen vor der Frage, was zu tun ist. Strukturelle Ma\u00dfnahmen sind wahrscheinlich n\u00f6tig, um die Glaubw\u00fcrdigkeit zu erh\u00f6hen. Aber das ETS als solches kann man nicht als klinisch tot bezeichnen, weil es juristisch gesehen ein in Stein gemei\u00dfeltes System ist &#8211; quasi mit Verfassungsrang. Nur auf Vorschlag der EU Kommission und mit qualifizierter Mehrheit der Mitgliedstaaten kann es abgeschafft werden. Drohen nun nationale Alleing\u00e4nge? Wir haben jetzt zugegebenerma\u00dfen die Situation, dass mit Gro\u00dfbritannien ein gro\u00dfer Mitgliedstaat auf dem Weg ist, seinen eigenen CO2-Preis zu etablieren, der \u00fcber dem europ\u00e4ischen CO2-Preis liegen soll. Alle \u00d6konomen weisen darauf hin, dass das &#8211; gelinde gesagt &#8211; Unfug ist. Denn das wird nur dazu f\u00fchren, dass mehr Emissionen in anderen Teilen Europas produziert werden. Die europ\u00e4ischen Zertifikate, die in Gro\u00dfbritannien durch das strengere nationale Ziel \u00fcbrig bleiben, werden nicht verfallen, sondern in den Rest Europas exportiert, wo sie zu zus\u00e4tzlichem CO2-Aussto\u00df genutzt werden. Den Mitgliedstaaten m\u00fcsste sich eigentlich erschlie\u00dfen, dass sie damit eine Politik betreiben, die gegen ihre eigenen nationalen Interessen gerichtet ist. Wie sieht das Bruegel-Modell aus? Wir schlagen ein Art Versicherungsmodell vor. Firmen sollen bei der Europ\u00e4ischen Investitionsbank (EIB) Versicherungen kaufen k\u00f6nnen, mit denen ihnen ein bestimmter Preis f\u00fcr Emissionsrechte in der Zukunft garantiert w\u00fcrde. Ein solcher Vertrag w\u00fcrde beispielsweise verbriefen, dass das versicherte Unternehmen im Jahr 2030 das Recht hat, eine bestimmte Menge \u00fcbersch\u00fcssiger Verschmutzungsrechte zu mindestens 40 Euro zu verkaufen. Damit sichern sich Investoren gegen niedrigere Preise ab. Am Anfang macht der Staat oder die EIB beim Verkauf der Versicherung mit der Optionspr\u00e4mie erst Mal einen Gewinn. Wie w\u00fcrden die Zertifikate-Preise festgelegt? Das Versicherungsmodell w\u00fcrde keinen fixen Zertifikate-Preis festlegen &#8211; die Aus\u00fcbungspreise k\u00f6nnten beispielsweise gestaffelt werden. Selbstverst\u00e4ndlich w\u00fcrden Investoren f\u00fcr das Recht, ein Zertifikat zu einem Preis von 40 Euro zu verkaufen, heute mehr bezahlen, als f\u00fcr das Recht, zu einem Preis von 10 Euro zu verkaufen. Die Marktakteure legen ihren langfristigen Investitionen Annahmen \u00fcber den k\u00fcnftigen CO2-Preis zugrunde. 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